Handbuch · Kapitel 22 · Teil E Datenschutz und Recht
Barrierefreiheit und KI-Transparenz
Wozu
Seit 2025 verlangt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz von vielen Websites, dass ihre Dienste für alle bedienbar sind. Und die KI-Verordnung der EU verlangt, dass Menschen erkennen, wenn sie mit einer KI sprechen, und dass KI-erzeugte Bilder maschinenlesbar markiert sind. dAI Pro bringt alles drei mit; dieses Kapitel zeigt, was Widget und Copilot von sich aus tun und was Sie in Ihren Texten beachten sollten.
Barrierefreiheit des Chat-Widgets
Das Widget ist nach den Kriterien der WCAG 2.2 auf Stufe AA gebaut:
- Tastatur: Blase, Eingabefeld, Senden, Einstiegsfragen, Quellen, Anhänge samt Vorschaubild und Entfernen-Knopf, Hilfe und Schließen sind mit Tab erreichbar; Escape schließt das Panel, Enter sendet.
- Screenreader: Alle Bedienelemente haben Beschriftungen; neue Antworten werden angekündigt; die Rollen von Dialog, Liste und Überschriften sind gesetzt.
- Fokus: Ein sichtbarer Fokusrahmen in der Akzentfarbe; beim Öffnen springt der Fokus ins Eingabefeld, beim Schließen zurück zur Blase. Die Vergrößerung eines Bildes setzt den Fokus auf ihren Schließen-Knopf und gibt ihn danach an das Bild zurück, das sie geöffnet hat.
- Kontrast: Die Standardfarben erfüllen die Mindestkontraste. Wer im Baukasten eigene Farben wählt, ist für den Kontrast selbst verantwortlich; helle Akzentfarben auf weißem Grund sind der häufigste Fehler.
- Schrift und Zoom: Die Schriftgröße folgt der Einstellung im Baukasten und skaliert mit dem Browser-Zoom; bei 200 Prozent bleibt alles bedienbar.
- Bewegung: Keine Animationen, die sich nicht abschalten lassen; das Widget respektiert die Systemeinstellung für reduzierte Bewegung.
- Sprache: Das Widget kennzeichnet seine Sprache; Antworten in anderer Sprache sind markiert.
Einfache Sprache (Kapitel 4) ist der inhaltliche Beitrag: Besucher können Antworten in kurzen Sätzen ohne Fachbegriffe anfordern, ohne dass sich Inhalt oder Quellen ändern.
Transparenz nach der KI-Verordnung
Artikel 50 der KI-Verordnung verlangt, dass Menschen erfahren, wenn sie mit einem KI-System interagieren. dAI Pro setzt das an vier Stellen um:
- Begrüßung: Der Vorschlag beim ersten Öffnen des Baukastens beginnt mit „Ich bin der KI-Assistent von …“. Wer die Begrüßung ändert, sollte den Hinweis behalten.
- Hilfetext hinter dem ?-Knopf: „Sie sprechen mit einem KI-System, nicht mit einem Menschen.“ Dazu, an welchen Anbieter die Frage geht, was gespeichert wird und wie lange.
- Attest unter dem Chat, wenn eine Verarbeitungsregion gesetzt ist (Kapitel 20).
- Kennzeichnung der Ausgaben: Jede vom Sprachmodell erzeugte Antwort trägt ein sichtbares und ein maschinenlesbares Kennzeichen — im Widget, über API und Agenten-Endpunkt, im Sprach-Chat und in der Suchzusammenfassung (Abschnitt „Kennzeichnung erzeugter Antworten“).
Der Hilfetext wird aus den Einstellungen der Sammlung erzeugt und lässt sich jederzeit neu generieren. Was Sie darin selbst ergänzen, etwa einen Hinweis auf Ihren Datenschutzbeauftragten, bleibt beim Neu-Generieren erhalten, wenn Sie es am Ende anfügen; ein Neu-Generieren ersetzt sonst den ganzen Text.
Kennzeichnung erzeugter Antworten
Art. 50 Abs. 2 der KI-Verordnung verlangt, dass KI-erzeugte Ausgaben maschinenlesbar als solche gekennzeichnet sind. dAI Pro kennzeichnet jede Ausgabe, die vom Sprachmodell stammt, auf allen Wegen, über die sie das System verlässt — ohne dass Sie etwas einstellen müssen:
- Chat-Widget: Unter jeder Antwort steht „KI-generiert“; das Element trägt das Attribut
data-ai-generated="true". - Chat-Endpunkt (JSON und Stream): Die Antwort trägt die Kopfzeilen
X-AI-Generated: trueundAI-Disclosure: mode=machine-generated(IETF-Entwurf „AI Content Disclosure Header“, mit Anbieter und Modell) sowie die Felderai_generated,ai_providerundai_model. Beim Stream stehen die Felder im abschließendendone-Ereignis. Feste Systemtexte, etwa die Sofortantwort auf „Ich möchte mit einem Menschen sprechen“, tragenai_generated: false. - Agenten-Endpunkt (MCP): Das Werkzeug-Ergebnis trägt
_meta.aiGeneratedam Ergebnis und am Textblock, dazuai_generatedim strukturierten Inhalt; die Frage-Antwort im Schema.org-Format das Feldai_generated. Die Werkzeugbeschreibung sagt es dem Agenten vorab. - Sprach-Chat: Die Sprachausgabe ist ein reiner Audio-Strom ohne Dateikopf, darum steht die Kennzeichnung im Steuerprotokoll:
readyundtts_begintragenai_generated: true,tts_begindazu Anbieter und Modell der Stimme. Das Widget zeigt während der Wiedergabe „KI-Stimme“ neben dem Mikrofon-Knopf. - Suche: Die Zusammenfassung über den Treffern trägt „KI-generiert“ und
data-ai-generated="true", ebenso die Suchvorschläge und die Kurzsätze je Treffer; die Antwort des Such-Endpunkts trägt dieselben Kopfzeilen und Felder wie der Chat. Die Trefferliste selbst — Ausschnitte aus Ihren Seiten — ist keine KI-Ausgabe.
Anbieter und Modell fehlen, wenn eine Antwort aus dem Antwort-Cache kommt: Dann lief kein Modell, die Antwort bleibt trotzdem als KI-erzeugt gekennzeichnet. Die Kennzeichen sind Teil der Pflicht aus der Verordnung und dürfen nicht entfernt werden.
Kennzeichnung erzeugter Bilder
Artikel 50 Absatz 2 der KI-Verordnung verlangt, verbindlich seit dem 2. August 2026, dass KI-erzeugte Bilder maschinenlesbar als solche markiert sind. Das betrifft die Illustrationen und Schaubilder des Redaktions-Copiloten (Kapitel 18). dAI Pro setzt die Markierung selbst, ohne Zutun der Redaktion:
- In jede erzeugte PNG- und WebP-Datei schreibt dAI Pro ein XMP-Paket mit dem Feld
Iptc4xmpExt:DigitalSourceType. Bildverwaltungen, Bildbetrachter und Suchmaschinen werten es aus. Es hat je nach Bildart einen von zwei Werten, die der IPTC dafür vorsieht:trainedAlgorithmicMediafür Illustrationen, die ganz vom Bildmodell stammen, undcompositeWithTrainedAlgorithmicMediafür Schaubilder, bei denen die Grafik aus einer festen Vorlage stammt und der Inhalt vom Sprachmodell. Dazu kommenxmp:CreatorToolmit Produkt und Modell,dc:descriptionmit dem Alt-Text undphotoshop:Creditmit dem Hinweis „KI-generiert“. - Nach dem Schreiben liest dAI Pro die Markierung aus der Datei zurück. Ein Bild ohne gültige Markierung wird nicht ausgeliefert, sondern verworfen und im Copilot gemeldet.
- Zu jedem Bild führt dAI Pro einen Nachweis: Prompt beziehungsweise Struktur, Modell, die verwendeten Quellen der Sammlung, Zeitpunkt und Redakteur. Er belegt, wie ein Bild entstanden ist, wenn jemand fragt.
- Der sichtbare Hinweis in der Bildunterschrift ist optional: „KI-generiertes Bild.“ bei Illustrationen, „Schaubild mit KI-Unterstützung erstellt.“ bei Schaubildern. Der Haken im Abschnitt „Corporate Design“ der Sammlung (Kapitel 4) lässt ihn vorschlagen; die Redaktion entscheidet, ob er auf der Seite erscheint.
Prüfen können Sie die Markierung mit jedem Werkzeug, das XMP liest, etwa mit exiftool:
exiftool -XMP-iptcExt:DigitalSourceType datei.webp
Die Ausgabe nennt trainedAlgorithmicMedia oder, bei einem Schaubild, compositeWithTrainedAlgorithmicMedia.
Bildbearbeitungsprogramme und Bildoptimierer verwerfen Metadaten beim Export oft stillschweigend. Verwenden Sie auf der Website deshalb die Originaldatei aus der Dateiliste beziehungsweise aus dem Download des Copiloten, und prüfen Sie nach einer Bearbeitung, ob die Markierung noch vorhanden ist.
Kennzeichnung erzeugter Dokumente
Artikel 50 Absatz 2 der KI-Verordnung gilt nicht nur für Bilder, sondern auch für KI-erzeugte Texte. Deshalb tragen auch die Dokumente des Redaktions-Copiloten (Kapitel 18) eine maschinenlesbare Kennzeichnung, im PDF und in der Word-Datei:
- PDF. Das Dokument enthält ein XMP-Paket mit dem Feld
Iptc4xmpExt:DigitalSourceType. Der Wert isttrainedAlgorithmicMediafür ein reines Textdokument undcompositeWithTrainedAlgorithmicMedia, sobald Schaubilder oder Bilder darin stehen. Dazu kommen Titel und Erzeuger, also dAI Pro mit dem Modell, in den Dokumenteigenschaften. - Word. Die Datei trägt benutzerdefinierte Eigenschaften:
DigitalSourceTypemit demselben Wert,AIGeneratedmit dem WerttrueundCreatorToolmit Produkt und Modell. Word zeigt sie unter Datei → Eigenschaften. - Vor der Auslieferung liest dAI Pro die Kennzeichnung aus beiden Dateien zurück. Fehlt sie, bricht die Erzeugung ab, und der Copilot meldet das.
- Den Nachweis führt dAI Pro wie bei Bildern: Briefing, Modell, die verwendeten Quellen der Sammlung, Zeitpunkt und Redakteur.
Das PDF prüfen Sie wie ein Bild:
exiftool -XMP-iptcExt:DigitalSourceType datei.pdf
Programme, die ein Dokument neu speichern oder in ein anderes Format umwandeln, übernehmen die Kennzeichnung nicht immer. Verschicken Sie deshalb die Originaldatei aus dem Copilot beziehungsweise aus der Dateiliste, und prüfen Sie nach einer Bearbeitung, ob die Kennzeichnung noch vorhanden ist.
Was Sie selbst tun
- Nennen Sie den Chat in Ihrer Datenschutzerklärung: Anbieter, Region, Aufbewahrung des Protokolls. Die Angaben stehen im Hilfetext und in den Einstellungen der Sammlung.
- Prüfen Sie die Farben Ihrer Einbettung auf Kontrast, wenn Sie vom Standard abweichen.
- Lassen Sie die Mensch-Übergabe eingeschaltet (Kapitel 12). Ein Weg zu einem Menschen ist Teil der Barrierefreiheit und der Fairness.
- Halten Sie die Begrüßung ehrlich: kein Name, der einen Menschen vortäuscht.
- Bauen Sie erzeugte Illustrationen und Schaubilder als Originaldatei ein, nicht als Export aus einem Bildprogramm, damit die Markierung erhalten bleibt. Dasselbe gilt für Dokumente im PDF- und Word-Format.
Häufige Fragen
Muss ich ein Barrierefreiheits-Audit machen lassen? Das hängt von Ihrer Website ab, nicht vom Widget. Das Widget bringt seine Konformität mit; die Seite drumherum ist Ihre Verantwortung.
Darf der Assistent einen Menschennamen tragen? Ja, solange die Begrüßung klar macht, dass eine KI antwortet. „Anna, die KI-Assistentin der Musterfirma“ ist in Ordnung, „Anna vom Kundendienst“ nicht.
Gilt das auch für die Suche? Die Suche zeigt eine Trefferliste und eine Zusammenfassung; sie ist kein Gespräch. Die Zusammenfassung ist als KI-Zusammenfassung erkennbar.
Muss ich erzeugte Bilder auch sichtbar kennzeichnen? Die maschinenlesbare Markierung ist die Pflicht aus der Verordnung, und die steht immer in der Datei. Ob Sie zusätzlich einen sichtbaren Hinweis in der Bildunterschrift zeigen, entscheiden Sie; dAI Pro schlägt ihn auf Wunsch vor (Kapitel 4).
Siehe auch
- Kapitel 4 · Sammlungen einrichten (Einfache Sprache, Corporate Design)
- Kapitel 8 · Chat einbetten (Hilfetext)
- Kapitel 18 · Redaktions-Copilot (Illustrationen, Schaubilder und Dokumente)
- Kapitel 20 · Verarbeitungsregion und Souveränität